Sie denken immer nur an das Eine …

Für kaum eine Tätigkeit steht eine so große Bandbreite an Wörtern zur Verfügung wie für den Geschlechtsverkehr. Man kann – sachlich und scheinbar wissenschaftlich – vom „Sexualverkehr“, vom „Koitus“ oder vom „Kopulieren“ sprechen, amerikanisierend schlicht „Sex“ sagen, oder man geht in den Bereich des Vulgären und spricht von „ficken“, „vögeln“, „bumsen“, „rammeln“ oder „es treiben“, [...]

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Zwei Sichtweisen auf das Nichts

Das Nichts – tröstlich, ein ewiges Schweigen. Das Nichts – schrecklich, ein ewiges Verstummen. Das Nichts – tröstlich, die ewige Ruhe. Das Nichts – schrecklich, ein Erlahmen für immer. „O Tod, wie bitter bist du“ – „O Tod, wie wohl tut dein Urteil dem Bedürftigen“. (Jesus Sirach, Kap. 41, Verse 1 und 2.) Von Brahms [...]

Zwei Gedichte von Christine Busta

Öffentlicher Anschlag   Die Grenze wird nicht mehr eingezeichnet. Sie verschiebt sich von Tag zu Tag, von Einfall zu Einfall. Es gibt keine Sicherheit, es gibt keine Selbstbeschränkung. Jeder kann jeden gefährden. Keiner soll wissen, wohin er gehört.   Wer noch alte Atlanten hütet und sich orientiert an Geboten, nach denen man Grenzen zieht und [...]

Erziehung zur Unzufriedenheit

Die Bilderwelt der Medien (Unterhaltungsfilme, Werbung) erzieht uns zur Unzufriedenheit: Wir sind unzufrieden mit unseren Körpern, unseren Geliebten, unseren Freunden, unseren Eltern, unserer Herkunftsfamilie, unserem Wohnort, unseren Besitztümern und unseren Fähigkeiten. Wir streben überall nach Optimierung und lassen den Status quo nur als Durchgangsstadium gelten. Unzufriedenheit kann zwar (als „Stachel im Fleisch“) auch produktiv sein, [...]

Odo Marquard: Der angeklagte und der entlastete Mensch

Wo dann die radikalisierte Theodizee, die Geschichtsphilosophie, statt Gottes den Menschen zum absoluten Angeklagten macht, bleibt die absolute Anklage gnadenlos. Dies ist ein spezifisch moderner und für die Übertribunalisierung der menschlichen Lebenswirklichkeit entscheidend mit ursächlicher Vorgang: der Verlust der Gnade. Weil durch ihn die absolute Anklage wegen der Übel der Welt den Menschen gnadenlos trifft [...]

Jean Améry: Wieviel Heimat braucht der Mensch?

In: ders.: Jenseits von Schuld und Sühne. Bewältigungsversuche eines Überwältigten, Stuttgart: Klett-Cotta 1977, S. 74–101.   Definitionen und die Frage nach der Möglichkeit einer „zweiten Heimat“ (S. 82–84) Heimat ist Sicherheit [...]. In der Heimat beherrschen wir souverän die Dialektik von Kennen-Erkennen, von Trauen-Vertrauen: Da wir sie kennen, erkennen wir sie und getrauen uns zu [...]

Albrecht Haushofer: Gefährten

Als ich in dumpfes Träumen heut versank, sah ich die ganze Schar vorüberziehn: Die Yorck und Moltke, Schulenburg, Schwerin, die Hassell, Popitz, Helfferich und Planck – nicht einer, der des eignen Vorteils dachte, nicht einer, der gefühlter Pflichten bar, in Glanz und Macht, in tödlicher Gefahr, nicht um des Volkes Leben sorgend wachte. Den Weggefährten [...]