Houellebecq: Ausweitung der Kampfzone

„Der Sex, dachte ich mir, stellt in unserer Gesellschaft eindeutig ein zweites Differenzierungssystem dar, das vom Geld völlig unabhängig ist; und es funktioniert auf mindestens ebenso erbarmungslose Weise. Auch die Wirkungen dieser Systeme sind genau gleichartig. Wie der Wirtschaftsliberalismus – und aus analogen Gründen – erzeugt der sexuelle Liberalismus Phänomene absoluter Pauperisierung. Manche haben täglich … Weiterlesen Houellebecq: Ausweitung der Kampfzone

Gebser über die Linke

Auf dem politischen Gebiet ist es das Aufkommen der „Linken“, die ja nicht nur weitgehend den Platz der „Rechten“ beansprucht, sondern bereits einnimmt. Der Ausdruck: die „Linke“ für die Massen-„bewegung“ der „Unterdrückten“, die Tatsache, daß man von einem „Erwachen der Linken“ spricht, sind deutliche Hinweise, mit welcher Art Vorgang wir es hier zu tun haben. … Weiterlesen Gebser über die Linke

Die Einheitsschau in Todesnähe

Menschen, die einen Unfall oder eine andere Grenzsituation überlebten, berichten häufig davon, wie sich ihnen in Todesnähe ihr gesamtes Leben in der Einheit eines Bildes zeigte. Das scheinbar Disparateste aus der Erinnerung erscheint zusammengefasst in einem einzigen Blick. Die Philosophin Karen Gloy spricht von einer „Lebensbilderschau“ und zitiert aus einem Bericht des Bergsteigers Albert Heim. … Weiterlesen Die Einheitsschau in Todesnähe

Haecker über das adventistische Heidentum Vergils

Theodor Haecker: Vergil. Vater des Abendlands. Leipzig 1931. Seite 26–28: „Keiner kann Vergil in seiner Fülle und Ganzheit, die bedingt ist durch einen Mangel und eine Sehnsucht kraft dieses Mangels, keiner kann ihn, der ein adventistischer Heide ist, verstehen ohne den heraufziehenden Glauben und die Rolle, die er in diesem gespielt hat und bis auf … Weiterlesen Haecker über das adventistische Heidentum Vergils

Gehlen über den Sozialstaat

So nimmt der Leviathan mehr und mehr die Züge einer Milchkuh an, die Funktionen als Produktionshelfer, Sozialgesetzgeber und Auszahlungskasse treten in den Vordergrund, und man hat dem humanitär-eudaimonistischen Ethos die Tore so weit geöffnet, daß das eigentlich den Institutionen angemessene Dienst- und Pflichtethos aus der öffentlichen Sprache und aus den Kategorien der Massenmedien vollständig verschwunden … Weiterlesen Gehlen über den Sozialstaat

Neuere Aphorismen II

Schreiben ist ein Abenteuer, das Abenteuer der Wahrheitssuche und der Selbsterkenntnis. Schreiben kann schmerzhaft sein. Schreiben kann brutal sein. Aber niemals darf es langweilig, belanglos, saft- und kraftlos sein. Der Leser sollte niemals gleichgültig bleiben angesichts des Geschriebenen. Gutes Schreiben polarisiert. You either love or hate it. Viel besser als die Gleichgültigkeit und Langeweile des … Weiterlesen Neuere Aphorismen II

Ballard über die heutige Zeiterfahrung

Die bedeutendste „Tatsache“ des zwanzigsten Jahrhunderts ist das Konzept der unbegrenzten Möglichkeiten. Dieses Prädikat von Wissenschaft und Technologie umfaßt das Faktum eines Moratoriums der Vergangenheit – Irrelevanz und Tod der Vergangenheit – und grenzenloser Alternativen, die der Gegenwart offenstehen. Was den ersten Flug der Gebrüder Wright mit der Erfindung der Pille verbindet, ist die soziale … Weiterlesen Ballard über die heutige Zeiterfahrung

Die teuflische List des Historismus

„Nur die Gelehrten lesen alte Bücher. Wir aber haben diese Gelehrten so geschult, dass sie unter allen Menschen am wenigsten geeignet sind, sich die Weisheit aus den Büchern der Alten anzueignen. Wir haben das erreicht, indem wir ihnen ‚den geschichtswissenschaftlichen Standpunkt‘ unauslöschlich eingeprägt haben. Der ‚geschichtswissenschaftliche Standpunkt‘ bedeutet kurz gefasst dies: Wenn ein Gelehrter irgendeiner … Weiterlesen Die teuflische List des Historismus